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27.10.2020
von Jesko
in IT-Talents

IT-Freelancer werden: Drei Hürden und wie man sie beseitigt

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Neulinge haben es oft schwer

Freischaffend in Sachen IT arbeiten – ohne Chef, ohne feste Arbeitszeit. Für viele das Nonplusultra im Berufsleben. Doch lange bevor beim Finanzamt eine steuerliche Erfassung als Freiberufler erfolgt, sind drei große Hürden zu überwinden.

Lesezeit: ca. 7 Min.

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Wie wird man Freelancer in der IT-Branche? Man geht mit genauen Informationen darüber, wie die Programmiertätigkeit aussehen soll, zum Finanzamt. Dort erfolgt eine steuerliche Erfassung als Freiberufler und es kann losgehen. Doch so einfach es klingt, der Weg in diese mutmaßliche Leichtigkeit wird erschwert. Diese Schwierigkeiten und ihre Überwindungsstrategien zu kennen, ist eine Bringschuld für jedes IT-Talent, das zumindest mit dem Gedanken spielt, auf eigene Rechnung zu arbeiten.

Mangelnde Kenntnisse der BWL und dadurch ausgelöste wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen leider viele frischgebackene Freelancer in die Bredouille. Stock.adobe.com © Jirapong
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1. Mangelnde Kenntnisse jenseits der IT

Natürlich, ein erfolgreicher IT-Freelancer muss die Programmiersprachen, das Programmieren selbst sowie die weiteren Seitenarme der IT absolut „berufssicher“ beherrschen. Der Markenkern sozusagen.

Viele angehende Freischaffende legen jedoch einen viel zu großen Fokus auf dieses singuläre Themengebiet. Die Folge: Sämtliche, in der Summe gleich- oder sogar noch wichtigere Punkte werden mehr oder weniger stark vernachlässigt. Drei Themen heben sich dabei besonders hervor:

  • Die generellen Grundlagen der Betriebswirtschaft. Sie sind notwendig, um das eigene Mini-Unternehmen finanziell erfolgreich zu führen.
  • Das große Thema Steuern mit Schwerpunkt Freiberufler. Das deutsche Steuerrecht ist eines der kompliziertesten der ganzen Welt – auch wenn bei einer erfolgreichen steuerlichen Anmeldung als Freiberufler natürlich die Gewerbesteuer wegfällt. Auch so sind Einkommens- und Umsatzsteuern sowie die Voranmeldung von letzterem anspruchsvolle Themengebiete.
  • Die beteiligten Behörden, Ämter und alle für die Freelancer-Tätigkeit gültigen Gesetze und Regularien.

Besonders kritisch daran ist, dass Fehler in jeder dieser Positionen die Selbstständigkeit ganz enorm erschweren können. Denn „Unwissenheit schützt nicht vor Strafe“.

Abhilfe: Hier sollten angehende Freelancer alles daransetzen, ihr Wissen lange vor dem ersten freischaffenden Arbeitstag auf das nötige Level zu bringen – eigentlich sind dies sogar die ersten Punkte, die abgearbeitet werden sollten.

Grundsätzlich finden sich unter dem Suchbegriff „Behördenwegweiser Freiberufler“ die wichtigsten Basisinformationen auf den offiziellen Seiten – wenngleich leider nur wenige Bundesländer ein so umfassendes und zugängliches Angebot haben wie das Startercenter von Nordrhein-Westfalen, das allerdings auch für andere Bundesländer als grundsätzlicher Überblick taugt.

Ferner sollte ein großer Fokus auf das BWL-Wissen gelegt werden. Dafür gibt es ebenso spezialisierte Lehrbücher wie die Handelskammern und andere Träger Workshops und Kurse anbieten. Tipp: Unbedingt mit der zuständigen Arbeitsagentur sprechen. Dort gibt es zumindest Adresslisten für solche Kurse, mitunter aber auch Informationen über Zuschüsse.

Freelancer benötigen i.d.R. weniger Startkapital als Gewerbetreibende. Doch auch IT-Freischaffende haben die gleichen Probleme bei Banken, zumindest anfangs. Stock.adobe.com © .shock

2. Ein zu geringes Bewusstsein für die finanziellen Notwendigkeiten

Startkapital? Ist das nicht eher etwas für Gewerbegründer, die zunächst viel Geld ausgeben müssen, bevor Sie auch nur einen Cent einnehmen können? Wer sich solche Fragen stellt, macht bereits einen schwerwiegenden Fehler, der mitunter seine Pläne nachhaltig derangieren kann.

Denn obwohl es stimmt, dass freischaffende IT-Arbeit tatsächlich weniger Investitionen benötigt als viele andere selbstständige Tätigkeiten und besonders Firmengründungen, so wäre es doch völlig falsch, das Thema abzutun. Auch hier warten mehrere Problemstellungen:

  • Sofern keine absolut berufstaugliche und für jede Eventualität gerüstete IT vorhanden ist, muss diese natürlich für gutes Geld angeschafft werden. Dazu kostet auch die nötige Büroausstattung. Alles in allem sind das leicht gut und gern höhere vierstellige Beträge. Falls noch ein Auto angeschafft werden muss, wird es entsprechend ein Vielfaches mehr.
  • Je kürzer die freischaffende Tätigkeit erst besteht, desto schwieriger wird es, bei den meisten üblichen Geldgebern, namentlich regulären Kreditinstituten, Mittel zu bekommen. Das gilt nicht nur für den rein beruflichen Zweck, sondern auch das Private. Kritisch deshalb, weil selbst ein erfolgreicher Freiberufler in den ersten Monaten nur wenige Gewinne machen wird.
  • Durch den mangelnden Nachweis einer etablierten, erfolgreichen Tätigkeit, nachzuweisen durch Einkommensteuerbescheide oder betriebswirtschaftliche Auswertungen, verlagert sich der Fokus auf andere Bonitätsinformationen, konkret das, was Schufa und andere Auskunfteien bereithalten.

Im Klartext: Es kann und wird für IT-Freiberufler schwierig werden, die nötigen Mittel zur Gründung und vor allem zur Überbrückung der ersten „dünnen Monate“ zu bekommen, bevor sich das Geschäft etabliert hat.

Abhilfe: Der zentrale Schlüssel ist, die Bonitätsinformationen zu bereinigen. Das heißt, veraltete oder fehlerhafte Einträge korrigieren zu lassen, damit auch ohne Einkommensnachweis ein sauberer finanzieller Background bescheinigt werden kann. Ist dieser Schritt erfolgt, sollte in jedem Fall eruiert werden, welche Fördermittel für die Gründung infrage kommen – hier gibt es sowohl aufgrund der aktuellen Lage spezielle Mittel wie es auch in normalen Zeiten Programme von Bund und Ländern gibt. Da diese Gelder meist simpler zu erhalten sind als solche durch Banken, sollten sie die primäre Quelle darstellen. Erst wenn das nicht genügt, sollten andere Wege in Erwägung gezogen werden. Darunter aber auch Business Angels, Privatkredite und Ähnliches.

Ausreichendes Selbstbewusstsein ist ein lebenswichtiger Schlüssel, um sich bei den Preisverhandlungen mit Auftraggebern durchsetzen zu können. Stock.adobe.com © Stock.adobe.com © Yakobchuk Olena
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3. Nicht ausreichende Kommunikationsfähigkeiten und Verhandlungsgeschick

Warum beauftragen Unternehmen einen Freelancer? Dafür gibt es genau drei Gründe:

  • Sie haben im eigenen Haus nicht die nötigen personellen Fähigkeiten.
  • Die Fähigkeiten sind bereits jetzt vorhanden, aber mit anderen Aufgaben ausgelastet.
  • Die Nutzung eines Freelancers erscheint angesichts der Zielsetzung die günstigste Alternative. Vor allem zur Anstellung zusätzlicher Kräfte.

Meistens es eine Kombination aus erstem und letztem Grund: Der Freelancer bietet eine Qualifikation, die das Unternehmen selbst nicht liefern kann. Für (etablierte) freischaffende IT-Talente bedeutet das, tatsächlich aus einer Situation der Überlegenheit agieren zu können: Sie haben dringend benötigte Fähigkeiten. Und fast jede geforderte Entlohnung ist dennoch günstiger als die Anstellung eines ähnlich fähigen Profis – von den damit einhergehenden administrativen Notwendigkeiten zwischen Lohnfortzahlung und Arbeitsrecht ganz zu schweigen.

Bloß: Gerade erst zum Freelancer gewordenen IT’lern mangelt es nicht nur häufig am Wissen um diese Überlegenheit. Viele Auftraggeber sehen ihre geringe Erfahrung auch als Anlass, sehr hart um die Preise zu feilschen – als erfahrene Führungskräfte haben sie auch die dafür nötigen kommunikativen Fähigkeiten. Als Ergebnis gibt es für die gleiche Arbeit viel weniger Geld. Und weil Jung-Freiberufler sich gezwungen sehen, sich einen Kundenstamm zu erarbeiten, verkaufen sie sich oftmals völlig unter Wert im Glauben, dass dies der einzig richtige Weg sei – wobei dies in der Realität zu häufig dazu führt, dass sich kein gesunder Geldstrom etabliert. Langfristig verdirbt das sowohl für diesen einen Freelancer die Preise wie die ganze Branche.

Abhilfe: Richtig ist, dass kein frischgebackener Freelancer erwarten darf, dieselbe Entlohnung zu erhalten wie ein Routinier, auch wenn er die gleiche Arbeit abliefert. Was jedoch gar nicht geht, sind Dumpingpreise; weder freiwillig noch durch Verhandlungen aufgezwungen.

Als erstes ist es deshalb wichtig, Verhandlungsgeschick zu bekommen. Auch das lässt sich lernen. Dazu gibt es ebenso Ratgeber im Netz wie es auch hierzu Workshops gibt. Dann muss der Wert der eigenen Arbeit gekannt werden. Das geht durch den Austausch mit Gleichgesinnten bei Events. Also Networking und das Ansprechen der Preisthematik. Zuletzt muss richtig verhandelt werden. Das bedeutet:

  • Das Kennen eines Stundensatzes, der minimal nötig ist, um die eigenen laufenden Kosten zu decken. Dies ist die absolute Untergrenze, die niemals unterschritten werden sollte.
  • Klare Unterlagen, aus denen hervorgeht, warum der Kunde für welche Dienstleistung über welchen Zeitraum welche Beträge bezahlen soll. Je präziser die Angaben sind, desto leichter lassen sich auch Hartnäckige überzeugen.
  • Ein starkes Ego, selbstbewusste Körperhaltung und Sprache. Abermals etwas, das sich nur durch Übung erlernen lässt. Wer gegenüber seinem Verhandlungspartner schüchtern bis regelrecht devot wirkt, hat nur wenige Chancen auf für ihn günstige Preisverhandlungen.

Zwar wird man nur mit der Zeit das bekommen, was die eigene Arbeit wirklich wert ist. Aber auf diese Weise sorgen junge IT-Freelancer wenigstens dafür, dass sie für die Aufgaben, die sie absolvieren, nicht am Ende noch draufzahlen.

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